Dienstag, 25. Juli 2017

"Wer braucht schon die große Liebe? Wie ich den trennungsblues diesmal einfach abschalte."

Liebe Ladies,

neue Schuhe drücken, nicht wahr? Sie scheuern an der Ferse und quetschen unsere Zehen, aber wir wissen: irgendwann werden sie sich unserem Fuß anpassen – oder unser Fuß ihnen. Und wenn nicht? Dann sortieren wir sie aus, tauschen sie um, verkaufen sie weiter. Es bricht uns das Herz, aber es ist besser so.

Mit dem Schuhekaufen ist es also im Grunde wie mit der Partnersuche. Liebäugeln, anprobieren, mitnehmen, Tragekomfort testen, bei Unzufriedenheit zurückgeben – ich will ja nicht unromantisch klingen, aber das kennen wir doch?

Leider enden die Gemeinsamkeiten hier. Denn wo Frau sich beim Schuh-Umtausch nach einem kurzen Seufzer am Riemen reißt und an ihren Verstand appelliert („Komm schon, brauchst du wirklich noch ein paar schwarze Pumps?“), so scheint es beim Männer-Umtausch erlaubt und akzeptiert zu sein, sich den ganzen Sommer verderben zu lassen. Ich finde, da drückt der Schuh an einer ganz anderer Stelle.

So ernte ich von meinen Mädels ungläubige Blicke, als ich bei unserem wöchentlichen Afterwork Drink verkünde, mir nach dem Ende meiner Beziehung zu Tom nicht einmal eine neue Frisur zulegen zu wollen. Okay, ich gebe zu: diese Erkenntnis hat eine Weile gedauert. Anfangs war ich fest davon überzeugt, dies sei endlich der richtige Zeitpunkt für einen stylishen Bob. Aber Bob ist ein Männername und hat drei Buchstaben – was mich zu Tom brachte und von dem wollte ich nun wirklich los. Da helfen auch all die Lob- und Wob-Varianten nichts.

Als ich dann in die Runde frage, ob denn etwas mit meiner Frisur nicht in Ordnung sei, schütteln alle etwas zu energisch den Kopf. Wahrscheinlich haben sie Angst, dass ich die Beach Bar gleich in einen Pool aus Tränen verwandle, wenn sie mir sagen, dass meine Spitzen mal wieder einen Schnitt und die Ansätze ein Volume Treatment gebrauchen könnten. Immerhin bin ich gerade verlassen worden. Aber ich bin trotzdem zufrieden mit meiner Frisur.

Es macht schließlich keinen Unterschied, ob Tom da ist oder nicht. Jedenfalls hat mich der Gedanke am letzten Abend lächelnd einschlafen lassen. Dass die Mädels nun auf meinen feierlichen Vortrag reagieren, als hätte ich mich zum Bucket Hat-Hype bekannt, kränkt mich etwas. Zugegeben, diese plötzliche Rückbesinnung auf mich selbst ist irgendwie aus der Not geboren. Und dass ich mir zum Trost eine Handtasche aus der neuen House of Envy-Kollektion gekauft habe, muss ich ihnen ja auch nicht auf dem Silbertablett servieren, oder?

„Kommt schon, braucht man wirklich die eine große Liebe?“, frage ich also in die Runde, während meine schuhlosen Füße sich in den weichen Sand der Beach Bar graben. Vielleicht ist es der Sekt, der durch meinen ganzen Körper prickelt, aber ich finde, barfuß sein fühlt sich gut an.

Eure,

Miss Envy