Donnerstag, 24. August 2017

"Oh ja, sie ist wirklich sÜSS, die Kleine. Wenn die Freundin plötzlich Mama ist."

Liebe Ladies,

Es gibt zwei Arten von Menschen auf der Welt: Online-Shopper und Offline-Shopper. Ich bin beides. Was gibt es Schöneres auf der Welt, als sich frei im Shopping-Himmel zu bewegen? Ich liebe es, wenn ich heute entscheide, dass diese zart nudefarbenen High Heels perfekt zu meinem Party-Outfit morgen passen und sie wie von alleine in den Briefkasten fliegen. Ich liebe es aber auch, meine neuen Schätzchen vor dem Kaufen genau kennenzulernen und ihr Flüstern zu hören: „Nimm mich“, „Führ mich aus“ und ganz leise „Mama“.

A propos Mama: im Moment hoffe ich, dass Cupcake der Einzige ist, der mich Mama nennt (zeigt sich durch ein heiseres Wuff, besonders wenn ich ein Leckerli aus der Tasche ziehe). Allerspätestens bei Handtaschen hören meine Muttergefühle auf. Ganz anders ist das bei meiner Freundin Nathalie, bei der der mütterliche Urinstinkt mit Pauken und Trompeten in Form der kleinen Mia zugeschlagen hat und bei der es seitdem kein anderes Gesprächsthema mehr gibt.

Wir Mädels waren natürlich anfangs Feuer und Flamme: Schwangerschaftsmode shoppen, Mias erstes Kleidchen shoppen, Prinzessinenzimmer streichen – mit uns als Expertinnen musste sie einfach zum stylishsten Baby überhaupt werden. 

Ihre Mutter veränderte sich aber mit zunehmendem Bauchumfang, noch bevor das kleine Würmchen überhaupt auf der Welt war. Angefangen hat alles damit, dass Nathalie Kleidung aussuchte, weil sie „so schön praktisch“ war. Endgültig skeptisch wurde ich, als Nathalie, unsere High Heel-Queen, eine Schuh-Tauschparty vorgeschlagen hat, weil sie „einige davon ja nun nicht mehr brauche“. Darunter waren auch die Pumps, mit denen sie vor ein paar Jahren im Spanien-Urlaub die waghalsigsten Dance-Moves in schwindelerregenden High Heels-Höhen aufs Parkett gelegt hat. Bei der Erinnerung an diese feuchtfröhliche Nacht bekommen wir heute noch rote Wangen. Baby-Freude und ein neues Leben hin oder her: Geht das nicht zu weit?

Vor mir eine selbstgebastelte Geburtstagskarte, sitze ich nun mit einem schönen Glas Wein in meinem barock anmutenden Louis-Seize Ohrensessel und scrolle durch Online-Shops mit Babykleidung, um Mias Ehrentag angemessen zu feiern. So viele hübsche Kleider, die mich beinahe selbst wünschen lassen, noch einmal 75 cm groß zu sein. Gemein, dass dieses kleine Goldstück diese Träumchen in Rosa tragen darf, ohne schief angeguckt zu werden. Und irgendwie auch gemein, dass dieses kleine Goldstück unsere Partymaus Nathalie gezähmt hat.

Ein wenig wehmütig öffne ich schnell den House of Envy Onlineshop, um mich zu trösten. Eindeutig Saisonwechsel. Ich bin im Taschenhimmel angekommen. Da ist diese unglaubliche rosa-grau farbene Handtasche, die wirklich jedes Outfit in die Perfektion treibt. Ich finde, es ist meine Pflicht, meine Freundin an ihren unglaublichen Taschengeschmack zu erinnern! Und schließlich muss die Mutter ja farblich auch zum Baby passen, oder?

Die Tasche wandert also schneller in den Warenkorb, als Mia „Mama“ sagen kann. Sie muss ja nicht erfahren, dass ich an ihrem ersten Geburtstag nicht ihr, sondern ihrer Mutter ein Geschenk gemacht habe. Und selbst wenn: Die Laune einer Mutter überträgt sich aufs Kind. Das bedeutet für uns Mädels eine todsichere Geburtstagsparty. Mama glücklich, Mia glücklich: kein Schreien, kein Bauchweh, keine vollgemachten Windeln, nur dieses wirklich entzückende zahnlose Lächeln mit aufgeweichtem Babykeks in den Wangen. Was könnte uns alle glücklicher machen? Genau – nichts. Und vielleicht bestelle ich die Tasche auch gleich zwei Mal…

Eure,

Miss Envy