Donnerstag, 28. September 2017

"Mieses Karma? Ab jetzt nicht mehr! wie ich es mit mehr Achtsamkeit versuchte!"

Liebe Ladies,

als ich neulich durch die Herbst/Winter-Kollektion meiner liebsten Taschenmarke klickte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Nicht die Tatsache, dass ich hoffnungslos süchtig bin und am Liebsten alle gleich bestellen würde, das wusste ich schon längst. Sondern, dass schon wieder Oktober ist.

Ladies, es wird Herbst. Gegen kuschelige Knitwear ist prinzipiell nichts einzuwenden, aber es fühlt sich so an, als hätte ich sie gestern erst in die unteren Schrankregale geräumt. Als ich Cupcake zu seinem Spaziergang ausführe, flüstert der kühle Wind mir ohne Zweifel, dass ich sie bald wieder hervorkramen sollte.

Ich bin noch nicht bereit dafür. Wo ist das Jahr eigentlich hin? Wie viele Haken sind an meiner Bucket List 2017? Wo sind die guten Vorsätze hin – und wo der Sommer? Da hat man sich gerade auf Bikinifigur gestrampelt, schon soll man sie wieder in Oversize-Sweatern verstecken.

„Süße, du musst einfach das Gute am Herbst sehen! Bunte Farben, Kürbiscremesuppe, Mützen!“, frohlockt meine Freundin Valentina, als ich ihr mein Leid klage. Sie hat leicht reden. Sie pustet immerhin gerade ihren Pumpkin Spice Latte auf Trinktemperatur, während ich – in Gedanken noch bei der Sommerfigur – in meinem simplen Kaffee rühre.

Also lässt Valentina mich von ihrem Glücksrezept kosten und wir vereinbaren eine gemeinsame Yoga-Stunde, damit ich lerne, mich zu fokussieren und das Schöne wahrzunehmen. Achtsamkeit – das ist ihr Stichwort. Klingt gar nicht so schwer, ich kann sehr achtsam sein. Zum Beispiel, wenn es darum geht, das schöne Kleid aus dem Schaufenster wahrzunehmen. Ein in Herbstfarben geblümter Traum in angesagter Midi-Länge – ich werde ganz aufgeregt, als ich daran denke, wie perfekt es sich mit meiner Bucket Bag aus Double Face Material kombinieren ließe.

Unsere Yoga-Stunde lässt meine Euphorie verblassen. Während Valentina sich auf der Matte neben mir nonchalant verbiegt, nehme ich mehr als deutlich wahr, dass ich in Sachen Beweglichkeit ein klares Defizit habe. Warum muss ich auch meine Beine hinter die Ohren klemmen können, um das Schöne wahrzunehmen?

„Ach Süße, das ist alles Übungssache!“, tröstet Valentina mich hinterher. Jetzt ist sie diejenige, die in ihrem blassen Ingwertee rührt, während ich aus Frust eine heiße Schokolade genieße. Es ginge eben darum, den Körper kennenzulernen. Was meine ich wohl, wie befriedigend es sei, wenn man dann irgendwann endlich in die Krähe komme!

Ich entgegne, dass ich im Moment viel lieber in das Kleid aus dem Schaufenster kommen würde, das mir mein achtsames Ich vorhin gezeigt hat. Da Valentina nicht nur ein toller Guru, sondern auch eine tolle Freundin ist, akzeptiert sie meine Auslegung des Achtsamkeitsbegriffs ohne Diskussion. Das Kleid sitzt perfekt und wäre sowieso viel zu warm für den Sommer. Und überhaupt – besser als helle Farben stehen mir eh die satten Beerentöne des Herbstes. „Siehst du“, lächelt mein Guru weise, „du hast deine erste Lektion bereits gelernt.“

Namaste,

Eure Miss Envy