Donnerstag, 27. April 2017

Wie ich auch dieses Jahr an meinen guten vorsätzen scheitere

Liebe Ladies,

ich glaube, ich habe den Jahresanfangs-Blues! Naja, vielleicht liegt das auch daran, dass mein Magen knurrt: das schlimmer Vanille-Kipferl-Entzug! Aber mal ganz ehrlich: Von mir aus könnte der Januar komplett ausfallen. Kein Mensch braucht diese trübe Tasse unter den Monaten. Genaugenommen ist er ja auch die absolut glamourfreie Version des Dezembers: Nichts funkelt und glitzert mehr, die Leute gehen nur noch in die Geschäfte, um Geschenke umzutauschen oder Gutscheine einzulösen. Und zuhause nadelt das Tannengesteck leise vor sich hin. So lange, bis man’s in den Biomüll stopft. Und statt mit meinen Freundinnen auf dem Weihnachtsmarkt Punsch mit Kopfweh-Garantie zu süffeln, jogge ich gleich bei Nieselregen ins Fitness-Studio. Und zwar allein, meine Mädels haben heute alle abgesagt.

Aber ich bleibe meinen guten Vorsätzen treu, jawohl! Rauf auf den Stepper, runter mit den Keks-Kilos. 2017 wird mein Jahr: Ich bin Single, ich bin aktiv, ich bin schlank und fit – okay, letzteres spätestens ab Mitte März. Der Nicht-Verliebt-Status hat auch Vorteile: Kein Mann kann mich verführen zu Chips und Netflix auf dem Sofa. Ich sage ja zu Crunches statt Kuscheln! Oder zumindest „jein“. Mein Hund guckt mich ganz traurig aus dem Körbchen an. Arme Cupcake! Ich überlege übrigens ernsthaft, ob ich den kleinen Puschel umtaufe, zumindest bis März. Bis ich schlank und fit und immun gegen jede Zuckerbombe bin. Wenn ich jetzt „Cupcake“ rufe, bekomme ich sofort rasenden Appetit auf Vanille-Erdbeer-Cupcakes. Ob sie auch auf „Gürkchen“ hört?

„Gürkchen“ muss jetzt jedenfalls zwei Stunden allein bleiben. Frauchen läuft los, das irre teure neue Fitness-Outfit will ja auch getragen werden. Und das atmungsaktive Shirt soll nicht dauerhaft eng wie eine Wurstpelle an mir kleben. Also auf in die Zumba-bare Welt des Fitness-Studios. Wobei mich dort meist erstmal die Minus-Motivation packt. Genau dann, wenn ich die cellulitefreien Fitness-Elfen sehe, die ohne mit der künstlichen Wimper zu zucken ungefähr dreitausend Situps machen. Als Warumup. Womöglich haben die alle eine Weißmehl-Allergie und es fällt ihnen kein bisschen schwer, sich von gedünstetem Brokkoli zu ernähren.

Und da hätten wir gleich noch einen Grund, den Januar ausfallen zu lassen: Ich könnte die Kennenlernphase zwischen mir und meiner potenziellen neuen Leidenschaft Sport einfach überspringen. Im Grunde ist das ja wie beim Dating: Da weiß man auch nach ein paar Wochen, ob das was wird. Ob man sich neu verliebt. Im Februar bin ich bestimmt schon total heiß auf meine abendlichen Dates mit dem Stepper! Das Gute ist, dass er niemals absagen wird. Und nebenbei: Einen Mann, der dafür sorgt, dass man bei jedem Treffen ein bisschen knackiger wird, ist auch eher die Ausnahme, oder?

Eure,

Miss Envy.